Braunes Pferd grast auf einer Herbstweide mit Laub am Waldrand

Eicheln, Ahornsamen und Herbstgras: Worauf ich auf der Weide jetzt achte

Der Herbst ist für mich die schönste Zeit im Stall. Die Fliegen sind weg, die Luft ist klar, und die Pferde haben nach dem Sommer wieder richtig Lust zu arbeiten. Gleichzeitig lauern auf der Weide jetzt Gefahren, die man leicht übersieht. Ein paar Dinge gehe ich deshalb jedes Jahr Ende September ganz bewusst durch.

Das Herbstgras ist nicht so harmlos, wie es aussieht

Nach einem trockenen Sommer treibt das Gras im Herbst oft noch einmal kräftig aus. Für die Pferde ist das ein Festessen, für empfindliche Tiere aber ein Risiko. An sonnigen Tagen mit kalten Nächten lagert das Gras viel Zucker in Form von Fruktan ein, weil die Pflanze tagsüber Energie bildet, bei Kälte aber kaum wächst und sie deshalb nicht verbraucht. Genau diese Situation steht im Verdacht, Hufrehe zu begünstigen.

Pferde, die schon einmal Rehe hatten, leichtfuttrige Robustrassen und Tiere mit Stoffwechselproblemen lasse ich in dieser Zeit nur begrenzt grasen. Nach frostigen Nächten bleiben sie bei mir lieber auf dem Paddock mit Heu. Das ist mühsam, aber deutlich angenehmer als ein Pferd mit schmerzenden Hufen.

Hilfreich ist auch eine Fressbremse für die Stunden auf der Weide. Viele Pferde gewöhnen sich schnell daran, und man muss sie nicht komplett vom Gras fernhalten. Wichtig ist, dass sie gut sitzt und nicht scheuert. Wer unsicher ist, wie viel Weidegang das eigene Pferd verträgt, sollte das mit dem Tierarzt oder der Hufbearbeiterin besprechen, bevor die ersten Frostnächte kommen. Oft verraten schon ein fühlbar warmer Huf oder eine deutliche Pulsation an der Fessel, dass etwas nicht stimmt.

Eicheln und Ahornsamen: die unscheinbaren Gefahren

Viele Weiden grenzen an Waldränder oder Baumreihen, und im Herbst fällt dort einiges herunter. Eicheln enthalten Gerbstoffe, die für Pferde in größeren Mengen giftig sind. Manche Pferde lassen sie liegen, andere suchen sie regelrecht. Noch ernster sind die Samen und Keimlinge des Bergahorns. Sie enthalten einen Stoff, der mit der atypischen Weidemyopathie in Verbindung gebracht wird, einer schweren Muskelerkrankung, die häufig tödlich verläuft.

Ich laufe deshalb die Zäune regelmäßig ab und schaue, was in die Weide hineinweht. Konkret heißt das bei mir:

  • Bäume an und neben der Koppel bestimmen, am besten schon im Sommer anhand der Blätter
  • Flächen unter Eichen und Ahorn im Herbst abzäunen oder gar nicht nutzen
  • abgegraste Weiden im Blick behalten, denn wer nichts anderes findet, frisst eher Unbekanntes
  • genug Heu zufüttern, sobald das Gras knapp wird
  • im Frühjahr an die Keimlinge denken, die aus liegengebliebenen Samen wachsen

Bei Muskelzittern, steifem Gang, dunklem Urin oder auffälliger Schwäche rufe ich sofort den Tierarzt. In so einem Fall zählt jede Stunde.

Fellwechsel und die Frage nach der Decke

Gerade wächst das Winterfell. Die Pferde sehen plötzlich rundlicher und etwas zottelig aus, und beim Putzen fliegen die letzten Sommerhaare durch die Stallgasse. In dieser Phase brauchen die Tiere Energie, Eiweiß und Mineralstoffe, damit das neue Fell dicht wird. Ein gutes Mineralfutter gehört bei mir jetzt fest dazu.

Mit dem Eindecken bin ich zurückhaltend. Ein gesundes Pferd mit dichtem Winterfell reguliert seine Temperatur erstaunlich gut, solange es Schutz vor Wind und Nässe hat. Anders sieht es bei geschorenen, alten oder sehr dünnen Pferden aus. Wer zu früh eindeckt, bremst außerdem das Fellwachstum. Ich setze lieber auf einen guten Unterstand und reichlich Raufutter, denn bei der Verdauung von Heu entsteht im Pferd Wärme.

Auch das Gewicht behalte ich im Herbst im Auge. Unter dem dicken Fell sieht man kaum, ob ein Pferd ab- oder zunimmt. Ich taste deshalb regelmäßig die Rippen und den Mähnenkamm ab und messe einmal im Monat mit dem Maßband den Bauchumfang. So fällt mir rechtzeitig auf, ob ich die Heuration anpassen muss, bevor der Winter richtig beginnt.

Hufe und Paddock vor dem Matsch

Mit dem ersten Dauerregen verwandeln sich Eingänge und Tränkenbereiche schnell in Schlamm. Dauerhaft nasse Hufe werden weich, und Strahlfäule hat leichtes Spiel. Ich kratze die Hufe jetzt täglich aus, schaue besonders in die Strahlfurchen und sorge dafür, dass es im Stall oder Unterstand eine wirklich trockene Stelle gibt. Wer Paddockplatten oder Hackschnitzel an den Hauptwegen verlegen will, sollte das erledigen, bevor der Boden völlig durchweicht ist.

Mit diesen Handgriffen kommen meine Pferde meistens gut in den Winter. Und die klaren Ausritte durch buntes Laub entschädigen ohnehin für jede Stunde Zaunkontrolle.